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Digitale 3D-Filmtechnik heute

 

Allgemein hat die digitale Filmaufnahmetechnik dem 3D-Film ein ganz neues Entwicklungspotential eröffnet. Im Bereich der virtuellen Welten ist es problemlos möglich, zwei virtuelle Kameras so zu positionieren dass diese seitlich versetzt sind, und so aus zwei Kamerastandpunkten aufzunehmen um einen 3D-Film zu erhalten. Aber auch für reale Filmaufnahmen wurden von der Industrie Kameragespanne und 3D-Kameras für den Profi- und auch den Amateurbereich konstruiert. Fast alle Kinofilme werden heute in 3D gedreht, wobei Realaufnahmen und am Computer generierte Szenen zunehmend vermischt werden. Ein Durchbruch brachte hier sicherlich der Film „Avatar – Aufbruch nach Pandora“ von James Cameron welcher im Dezember 2009 in die Kinos kam. Ein 3D Kino in jeder Stadt ist inzwischen fast schon eine Selbstverständlichkeit. Als Standard hat sich die Projektion mit zirkularen Polarisationsfiltern entwickelt.

 

Besonders interessant ist, dass es aber inzwischen auch für den Amateurbereich mit überschaubaren Kosten und Aufwand möglich ist, einen eigenen 3D-Film herzustellen. Hierzu setzt man zwei Konsumerkameras nebeneinander und steuert diese gemeinsam, um synchrone Aufnahmen zu erreichen. Seit einigen Jahren bietet Werner Bloos eine kabelgebundene Fernbedienung für Videokameras an. Hiermit lassen sich 2 Camcorder über den LANC-Anschluss synchronisieren.

 

Inzwischen gibt es aber auch richtige 3D-Camcorder. Den Niedrig-Preisbereich möchte ich hier außer Acht lassen, da die Aufnahmequalität dieser Geräte eher bescheiden ist. Für wirklich ansehbare Ergebnisse in Full-HD sind momentan 3 empfehlenswerte 3D-Camcorder auf dem Markt:

  1.      „HDC-Z10000“ von Panasonic

    Die Kamera bietet Einstell- und Anschlussmöglichkeiten fast wie eine Profikamera und hervorragende Bildqualität durch den doppelten 3MOS Sensor. Der Preis ist zwar sehr hoch, aber für die Qualität sicherlich gerechtfertigt. In der Ausstattung lässt der HDC-Z10000 kaum Wünsche offen: separate Einstellringe für Fokus, Zoom und Iris, manuelle Einstellung des Konvergenzpunktes, doppelter SD Karten-Slot, zwei XLR-Audio-Eingänge, Linear PCM, Direktwahltasten und individuell belegbare User-Tasten, ausziehbarer LCD Monitor mit 3D Darstellung sowie Farbsucher, Tragegriff und vieles mehr. Der eingebaute 10-fach optische Zoom liefert einen Brennweitenbereich (umgerechnet auf KB-Format) von 32mm Weitwinkel bis 320 mm Tele. Aufnahmeformat: AVCHD 2.0 Standard (AVCHD 3D/ Progressive) konform. Die Komprimierung im 3D-Bereich: [3D] MPEG-4 MVC/ H.264. Die Stereobasis ist 43 mm.

  2.     Sony HDR-TD10e (Stereobasis der Objektive: 30mm) , bzw. die Nachfolgekameras HDR-TD20VE und HDR-TD30VE (Stereobasis der Objektive: 20 mm). Die Kameras sind sehr kompakt und die Bildqualität ist ebenfalls sehr gut. Allerdings sind die manuellen Einstellmöglichkeiten geringer als bei der HDC-Z10000. Vor allem fehlt ein manueller Weißabgleich im 3D-Modus. Dafür gibt es aber eine elektronische 3D-Korrektur, mit welcher Höhen- und Zoomfehler der beiden Objektive korrigiert werden. Gespeichert wird auf einem internen 64 GB Flash-Speicher. Der Brennweitenbereich des 10-fach optischen Zoom geht von 34,4 mm - 344 mm bzw. 400 mm (umgerechnet auf KB-Format). Aufnahmeformat: 3D HD - MPEG4-MVC/H.264 AVCHD™ Version 2.0 kompatibel. Im Gegensatz zur Panasonic HDC-Z10000 kosten diese Kameras nur ca. 1/5 des Preises und sind als Reisekameras wesentlich handlicher.
  3.     JVC GS-TD1BEU – die Kamera ist sowohl im Preis als auch der Qualität vergleichbar mit der Sony HDR-TD10. Der Zoom-Bereich ist etwas kleiner (5-fach optischer Zoom). Dafür hat sie zusätzlich eine Zeitraffer-Funktion und kann High-Speed Fotoaufnahmen machen (12 fps.). Der Weißabgleich ist auch im 3D-Modus möglich. Aufnahmeformat: MPEG-4 MVC/H.264. Zusätzlich kann die JVC auch einen Side-by-Side Stream ( halbe Breite) ausgeben, wie er von den 3D-Fernsehern gebraucht wird.

Von erfahrenen Stereofotografen wird oft bemängelt, warum alle Camcorder eine deutlich kleinere Stereobasis als 6,5 cm haben. In der Praxis zeigt sich, dass im Film sehr oft Menschen und Gesichter aufgenommen werden und hier ist die kleinere Basis wesentlich besser, um einen natürlichen Seh-Eindruck zu vermitteln. Eine große Basis von 6,5 cm oder mehr hätte bei Portraitaufnahmen unschöne Verzerrungen zur Folge (z.B. „große Nase“).

Beim MVC-Format, in welchem alle Camcorder den 3D-Film speichern, wird das linke Bild komplett und vom rechten Bild nur die Unterschiede zum Linken gespeichert.

Ganz wichtig, und vermutlich ein Grund, warum sich bisher nur wenige für das 3D-Filmen begeistern ist, dass es nicht ausreicht, nur stereoskopische Filme aufzunehmen. Viel wichtiger ist es, aus den 3D-Filmsequenzen einen richtigen Film zu machen – das ist zeitaufwändig und man benötigt dazu ein Video-Schnittprogramm. Mittlerweile haben mehrere Hersteller von Schnittsystemen eine stereoskopische Bearbeitung in ihren Programmen eingebaut, darunter Sony (Moviestudio Platinum und Vegas Pro), Magix (Video deluxe und die X Serie), Pinnacle (Pinnacle Studio ab Version 16), Cyberlink (Powerdirector) und auch das unter Profis verwendete EDIUS von Gras Valley. Nur Adobe hängt derzeit mit der Implementierung der stereoskopischen Bearbeitung in seinem Schnittprogramm Premiere hinterher, und muss auf externe Plugins zurückgreifen was die Bearbeitung stark einschränkt. Die Implementierung der stereoskopischen Funktionen ist in den Programmen unterschiedlich realisiert, leider können einige der Schnittprogramme nicht alle stereoskopischen Formate der Videokameras lesen, andere wiederum haben keine guten automatische stereoskopische Korrekturmöglichkeiten und müssen daher manuell vorgenommen werden.

Für Schnittsysteme, die die stereoskopischen MVC Dateien nicht laden können, gibt es ein kleines Programm, das die Trennung in linken und rechten Videostrom vornimmt. Peter Wimmer bietet hier ein Konvertierungsprogramm namens ‚MVC to AVI‘ an das diese Aufgabe übernimmt. Damit lassen sich auch Schnittsysteme einsetzen, die auf zwei getrennt voneinander befindlichen Videospuren die linke und rechte Ansicht unterbringen und so geschnitten werden können, auch wenn das Schnittsystem keine stereoskopischen Funktionen implementiert hat.

Für die Bearbeitung von 3D-Videos existiert eine kurze Anleitung : „Videobearbeitung mit Movie Studio Platinum 12.0“, die exemplarisch die Bearbeitung mit Sony Movie Studio Platinum zeigt.

 

Peter Herbig hat sein vollautomatisches Korrektur- und Montageprogramm „Cosima“ für 3D-Video erweitert und es lassen sich hiermit stereoskopische Fehler im 3D-Videos korrigieren. Man kann sogar Zoomfahrten mit entsprechenden stereoskopischen Korrekturen im Video vornehmen.

Zum Betrachten von 3D-Videos mit einem Computer ist der „Stereoscopic Player“ von Peter Wimmer empfehlenswert. Das Programm bietet die verschiedensten Einstellmöglichkeiten, sowohl in Bezug auf die stereoskopische Quelle als auch auf die verschiedenen Ausgabemöglichkeiten (Monitore, Beamer, ...).

Leider sind die Hersteller mit den Verkaufszahlen der 3D-Camcorder offensichtlich nicht zufrieden, denn es gibt im Moment keine Neuentwicklungen auf dem Markt und es ist zu befürchten, dass die Produktion der oben aufgeführten Geräte in absehbarer Zeit eingestellt wird.