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2. Die Rahmungs- oder Montageregel

 

Kein Teil des Bildes darf vom Stereofenster angeschnitten werden.

 

Warum ist die Rahmungsregel einzuhalten?

Bei der Stereoprojektion (und auch beim Betrachten mit einem Stereobetrachter) wird das Raumbild in der Regel hinter einem scheinbaren Fenster wahrgenommen. Dieses Fenster heißt Scheinfenster. Tatsächlich handelt es sich hierbei um das Raumbild der Bildumrandung. (Das linke Teilbild ist die linke Bildumrandung, das rechte Teilbild ist die rechte Bildumrandung.). Ob das Raumbild vor, im oder hinter diesem Scheinfenster wahrgenommen wird, ist ausschließlich von der Lage der Einzelbilder zueinander abhängig.

Das Scheinfenster selbst wird als Öffnung in einer festen Wand wahrgenommen. Bei einer Verletzung der Rahmungsregel befindet sich das Raumbild zu weit vor dem Scheinfenster und Teile des Bildes scheinen dann die Wand zu durchdringen. Dieser ‚Bildfehler‘ führt zu einem deutlich verminderten Genuss beim Betrachten von Raumbildern. Die Rahmungsregel ist jedoch nur eine Kann-Forderung, d.h. sie sollte, sie muss aber nicht unter allen Umständen eingehalten werden.

 

Welche Grenzwerte und Toleranzen gibt es bei der Rahmungsregel?

Die Rahmungsregel ist eine ästhetische Forderung. Stereobilder, welche diese Forderung verletzen, können trotzdem ermüdungsfrei betrachtet werden. Die Einhaltung der Rahmungsregel führt in der Regel dazu, dass das gesamte Bild hinter dem Scheinfenster wahrgenommen wird. Da bei kommerziellen 3D-Produktionen häufig mehr auf ein spektakuläres Ergebnis als auf die Ästhetik Wert gelegt wird, findet man dort die meisten Verletzungen der Rahmungsregel, indem man ganz bewusst das Stereobild weit vor das Scheinfenster setzt.

Nur freistehende Objekte, die innerhalb der Rahmenfenster und im vorderen Aufnahmeraum liegen - wie zum Beispiel ein frontal aufgenommener Elefantenrüssel - dürfen in Einklang mit der Rahmungsregel (und sollten auch) aus dem Scheinfenster herausragen. Siehe hierzu auch die Bemerkungen bei der Aufnahmeregel. Weitere beliebte Beispiele sind: der Brunnenarm, dessen Wasserfontäne in den Zuschauersaal spritzt, das Tier, das seinen Kopf durch das Scheinfenster streckt, der Vogel oder das Insekt, das vor dem Scheinfenster fliegt, u.a.m.

 

Wie halte ich die Rahmungsregel ein?

Schneidet man am linken Bild links und am rechten Bild rechts einen schmalen Streifen ab, (Dias werden relativ zum Diarahmen auseinander gezogen), wandert das Raumbild nach hinten, im entgegengesetzten Fall nach vorne. Bei digitalen Stereobildern wird die Lage des Scheinfensters mit einer Montagesoftware entweder manuell oder vollautomatisch positioniert. Eine optimale Montage des Stereobildes ist genau dann erreicht, wenn sich das Raumbild so weit vorne wie möglich, aber so weit hinten wie nötig befindet. Der Nahpunkt berührt dann gerade das Scheinfenster. Das Raumbild beginnt also unmittelbar hinter dem Fenster und es wird zwischen Scheinfenster und Nahpunkt kein Raum ‚verschenkt‘. (Diese Art der Rahmung wird auch Nahpunkt-Rahmung genannt.) Verletzungen der Rahmungsregel können bei der Projektion ebenfalls nicht mehr korrigiert werden.

 

Rahmungsregel: Nur freistehende Bildteile vor das Scheinfenster rahmen!

 

Anmerkung: Für 3D-Video mit häufig wechselnden Motiven und Szenen kann die Nahpunktrahmung zu einer unerwünschten Unruhe beim Fernpunkt führen, im schlimmsten Fall springt der Fernpunkt abhängig von der Szene und vom Filmschnitt vor und zurück. Um dies zu vermeiden, wird abweichend von der oben formulierten Empfehlung dem Fernpunkt ein konstanter Versatz (konstante Disparität) zugewiesen, beispielsweise 1/30 oder 1/40 der Bildbreite. Diese Form der Bildmontage wird Fernpunktrahmung genannt. Falls die Aufnahmeregel erfüllt wurde, ist bei dieser Rahmungsmethode die Montageregel (keine Scheinfensterverletzung!) automatisch miterfüllt. Für Problembilder mit etwas zu viel Tiefe helfen unter Umständen schwebende Scheinfenster innerhalb des Bildes.

 

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Goldene Regel
Aufnahmeregel
Wiedergaberegel

 

Bildnachweise: ©Gerhard P. Herbig