3. Die Wiedergaberegel

 

Der Zuschauer darf nicht zu divergierenden Augenachsen gezwungen werden.

 

Warum ist die Wiedergaberegel einzuhalten?

Beim Sehen in die Ferne sind die Achsen der beiden Augen parallel und beim Sehen in die Nähe etwas nach Innen geneigt. Niemals aber kommen beim natürlichen Sehen auseinanderlaufende (divergente) Augenachsen vor.

 

 

 Wiedergaberegel: Divergente Augenstellung vermeiden!

 

Wird man beim Betrachten eines Stereobildes längere Zeit zu divergenten Augenachsen gezwungen, sind Kopfschmerzen die unausweichliche Folge. Auch wenn einige alte ‚Stereo-Hasen‘ zu ganz erstaunlicher Augengymnastik fähig sind, sollte das Stereo-Sehen ein Genuss für jeden Betrachter sein. Die Wiedergaberegel ist deshalb bei der Stereoprojektion eine unter allen Umständen einzuhaltende Forderung.

 

Welche Grenzwerte und Toleranzen gibt es bei der Wiedergaberegel?

Da beim natürlichen Sehen ein im Unendlichen liegender Bildpunkt mit parallelen Augenachsen fixiert wird, sind bei der Stereoprojektion solche Bildpunkte mit einem Abstand von etwa 65mm auf die Leinwand zu projizieren (dies entspricht dem statistischen Mittelwert des Augenabstandes). Geringe Überschreitungen sind sicherlich erlaubt, sollten aber je 1m Projektionsabstand nicht mehr als etwa 10mm betragen (also eine Überschreitung von etwa 50mm bei 5m Abstand, 100mm bei 10m Abstand usw.). Bei der Abschätzung des Projektionsabstandes ist natürlich derjenige Zuschauer zu berücksichtigen, welcher der Leinwand am nächsten sitzt. (Für die Experten: die Fachliteratur gibt für die maximal zulässige Divergenz einen Winkel von 1º an - dies führt aber nach Erfahrungen des Autors bei vielen Zuschauern schon zu deutlichen Ermüdungserscheinungen!)

 

Wie halte ich die Wiedergaberegel ein?

Wenn die Aufnahme- und die Rahmungsregel erfüllt sind, ist die Einhaltung der Wiedergaberegel ein Kinderspiel. Ein korrekt montiertes Stereobild, welches den Unendlichpunkt enthält, wird testweise projiziert. Die Projektoren werden dann seitlich so lange verschoben, bis die beiden Unendlichpunkte auf der Leinwand einen Abstand von 65mm (eventuell plus zusätzlicher Toleranzwert) besitzen. Mit dieser Vorgehensweise kann das Scheinfenster dann durchaus auch vor der Leinwand liegen! Nur bei der Heimprojektion mit begrenzter Projektionsvergrößerung wird der Einfachheit halber das Scheinfenster genau in die Ebene der Projektionsfläche gelegt. Bei Projektionen im größeren Saal ist dieses Vorgehen nicht empfehlenswert, da sonst den Zuschauern zur Raum-Wahrnehmung nur sehr entfernte Objekte (eben solche mit mindestens Leinwand-Abstand) angeboten werden können - und die Wahrnehmung von nahen 3D-Objekten ist bekanntermaßen viel spannender als die von weit entfernten!

 

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Goldene Regel
Aufnahmeregel
Rahmungregel

 

Bildnachweise: Bearbeitung von Gerhard P. Herbig