Rahmung, Montage, Postprocessing

Alle drei Begriffe beinhalten mehr oder weniger das gleiche: die Beschneidung und gegenseitige Ausrichtung der beiden Stereohalbbilder. Erst durch die korrekte Anordnung wird aus zwei Stereohalbbildern ein vollwertiges Stereobild.

 

Während zu Analogzeiten eher von Rahmung oder Stereodiarahmung die Rede war, haben sich beim Digitalbild die Begriffe Montage, Stereomontage oder auch Stereobildmontage durchgesetzt.

 

Im kommerziellen Kinobereich gab es schon immer die „Postpro“ (Postprocessing), die alle nachrangigen Bildbearbeitungsprozesse umfasst. Für den 3D-Film muss diese Postpro nun mindestens um die stereoskopische Beschneidung und die gegenseitige Ausrichtung der Bilder erweitert werden.

 

Die Stereobildmontage setzt sich aus zwei Komponenten zusammen,
1.) der geometrischen Bildkorrektur und

2.) der stereoskopischen Beschneidung der Bilder an den linken und rechten Kanten.

 

1. Die geometrische Bildkorrektur

Die geometrische Bildkorrektur hat das Ziel, alle korrespondierenden Bildpunkte im linken und rechten Halbbild auf gleiche Höhe zu bringen. Falls diese Forderung nicht erfüllt ist, spricht der Stereoskopiker von Höhenfehlern. Ursachen für Höhenfehler können sein: ein simpler Höhenversatz der Bilder, unterschiedliche Größen oder Verdrehungen der Bilder aber auch unterschiedliche Auslösezeitpunkte der Kameras (Synchronfehler).

 

 

Bild 1: In einem korrekt montierten Stereobild darf es nur horizontale Verschiebungen korrespondierender Bildpunkte geben. Hier ist das linke Bild (deutlich) zu hoch montiert.

 

Bei der geometrischen Bildkorrektur versucht man mit allen sich bietenden geometrischen Bildveränderungen, also Verschiebungen, Skalierungen, Rotationen, aber auch Scherungen und Trapezverzerrungen, die Höhenfehler bestmöglich im gesamten Bild herauszurechnen.

 

2. Die stereoskopische Beschneidung

Bei einer Stereoprojektion wird das Raumbild innerhalb einer Öffnung in einer scheinbaren Wand wahrgenommen. Diese Öffnung wird Scheinfenster genannt. Durch die stereoskopische Beschneidung der Halbbilder wird die Lage des Raumbildes relativ zu diesem Scheinfenster festgelegt.

 

Ob ein Objekt hinter dem Scheinfenster, im Scheinfenster oder vor dem Scheinfenster zu sehen ist, ist ausschließlich von der stereoskopischen Beschneidung abhängig und nicht von der Aufnahme selbst!

 

 

Bilder 2a,b,c: Das gleiche Stereobild mit drei verschiedenen Scheinfenstermontagen: hinter dem Scheinfenster, im Scheinfenster und vor dem Scheinfenster.

 

Für die Entscheidung, wo das Motiv in Relation zum Scheinfenster angeordnet werden soll, ist der Begriff Scheinfensterrahmung üblich. Obwohl naturgemäß ein kreativer Akt, kann auch diese Aufgabe heute von automatischer Montagesoftware übernommen werden.

 

3. Montagesoftware

Mit geeigneter Software kann sowohl die geometrische Bildkorrektur als auch eine geeignete Scheinfenstermontage vollautomatisch durchgeführt werden. Dies ist sowohl für einzelne Stereobilder, komplette Verzeichnisse mit Stereobildern sowie auch für Stereovideos möglich.

 

An dieser Stelle sollen zwei Programme für diese Aufgaben genannt werden:
Der StereoPhoto Maker ist Freeware und deshalb besonders für den Einstieg in die wunderbare Welt der Stereoskopie geeignet. COSIMA steht für COrrect Stereo IMAges und ist ein kommerzielles Softwareprodukt eines DGS-Mitgliedes. Für die Innovation der vollautomatischen Stereobildkorrekur wurde Cosima von der DGS 2006 der Deutsche Raumbildpreis verliehen.

 

Information: Es ist geplant, die mathematische Theorie zur Stereobildmontage in der SIG Stereobild- und Videokorrektur aufzuarbeiten. Diese SIG hat noch nicht begonnen.

 

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Aufnahme

Rahmung

Wiedergabe

 

Bildnachweise: ©Gerhard P. Herbig